Villach-Maria Gail
Im südlichsten Stadtteil von Villach (Maria Gail – Drobollach – St. Niklas) leben heute über 3.000 Menschen. Sie wohnen auf historischem Boden, denn die Gegend um Maria Gail muß aufgrund der Einbeziehung des Fluß- und Gegendnamens "Zelia" in den Ortsnamen als uraltes Siedlungsgebiet angesehen werden. Der Name "Zelia" für die Gail bedeutet "die Schäumende, Wilde".
Kirche
Die Ortsgründung von Maria Gail geht auf christliche Missionare aus Aquileja zurück, die in die seinerzeitige römische Provinz Noricum kamen. Im Jahre 811 erklärt Kaiser Karl der Große in Kärnten die Drau zur Grenze zwischen den Kirchenprovinzen Salzburg und Aquileja. Maria Gail war damals eine "Urpfarre", welche rund 25 Filialkirchen umfaßte. Erste urkundliche Erwähnung als "villis in plebe sancte marie de villach" (ca. 1136). Im Stadtteil Maria Gail gibt es vier Kirchen: Maria Gail, St. Niklas/Drau, St. Andreas/Egg und St. Johannes/Drobollach.

Mörth-Keusche, ca. 1940 Türkei
(Seitental bei Bogenfeld)
Wirtschaft
Die Bevölkerung war durch Jahrhunderte rein agrarisch ausgerichtet, die Geburtsstunde des Bauernstandes war zwischen 11. und 13. Jahrhundert, als die Eigenbe-
wirtschaftung der adeligen Großgrundbesitzer ein Ende nahm und das Agrargut in Huben zerteilt wurde. Beim Grundkataster 1831 wurden im einstigen Gemeindegebiet Maria Gail 175 Huben und Keuschen gezählt. Die Bauern waren bis 1848 Untertanen der Grundherrschaften – in den Katastralgemeinden Maria Gail, Drobollach und Bogenfeld waren Äcker und Wälder, auch der Faakersee, vorwiegend im Besitz der adeligen Herren von Finkenstein bzw. Rosegg und der Bamberger Bischöfe.
Politik
Im Jahre 1850 wurde erstmals ein Gemeindevorstand mit Bürgermeister gewählt, ab 1940 gab es in Drobollach ein eigenes Gemeindeamt. Bevor 1973 die Eingemeindung in die Stadt Villach erfolgte, wurde der Gemeinde Maria Gail im Jahre 1969 ein Gemeindewappen verliehen. Politisch bedeutsam waren im 20. Jahrhundert Aktivitäten zum Abwehrkampf und eine Widerstandsgruppe in der NS-Zeit.
Mirko Hofer
